Mehr als schöne Blüten: Wie die richtige Pflanzenwahl den Garten lebendiger macht

Mehr als schöne Blüten: Wie die richtige Pflanzenwahl den Garten lebendiger macht

Rot oder Gelb? Üppig oder dezent? Pflegeleicht oder doch lieber etwas Besonderes? Wer Blumen für den eigenen Garten auswählt, denkt meist zuerst an die Optik. Schließlich sollen Beete, Kübel und Rabatten vor allem schön aussehen. Doch Pflanzen können wesentlich mehr als Farbe in den Garten bringen. Mit der richtigen Auswahl entstehen gleichzeitig Nahrungsquellen und Rückzugsorte für zahlreiche kleine Gartenbewohner. Das Schöne daran: Ein naturnäherer Garten muss keineswegs wild und ungepflegt aussehen.


Ein schöner Garten darf auch nützlich sein

Bei der Gartengestaltung stehen Ästhetik und Natur manchmal scheinbar auf unterschiedlichen Seiten. Hier das akkurat angelegte Blumenbeet, dort die wilde Natur. Tatsächlich lässt sich beides hervorragend miteinander verbinden.

Blüten können Insekten Nahrung bieten, dichter Bewuchs schafft Verstecke und Samen sowie andere Pflanzenteile dienen manchen Tieren später im Jahr als Nahrungsquelle. Ein Garten übernimmt damit ganz nebenbei Funktionen, an die beim Pflanzenkauf zunächst kaum jemand denkt.

Dafür muss niemand die gesamte Fläche neu gestalten. Häufig genügt es, bei der nächsten Bepflanzung etwas genauer hinzusehen. Statt ausschließlich nach Farbe und Wuchshöhe auszuwählen, können auch Blütezeit, Blütenform und Nutzen für Tiere berücksichtigt werden.

Besonders heimische Pflanzen sind interessant, weil sich viele hier vorkommende Tierarten im Laufe der Zeit an sie angepasst haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede nicht heimische Zierpflanze aus dem Garten verschwinden muss. Ein naturnaher Garten darf schließlich weiterhin den eigenen Geschmack widerspiegeln.

Nicht jede Blüte ist für Insekten gleich wertvoll

Eine prächtig blühende Pflanze sieht für menschliche Augen nach einem reich gedeckten Buffet aus. Für Bienen und andere Insekten muss das allerdings nicht gelten.

Ein typisches Beispiel sind stark gefüllte Blüten. Durch Züchtung wurden bei ihnen zusätzliche Blütenblätter hervorgebracht. Das kann spektakulär aussehen, erschwert Insekten aber teilweise den Zugang zu Nektar und Pollen. Manche Sorten bieten davon ohnehin nur wenig.

Ungefüllte und offene Blüten sind häufig leichter zugänglich. Wer seinen Garten insektenfreundlicher gestalten möchte, kann deshalb bewusst einige entsprechende Arten und Sorten integrieren. Das heißt keineswegs, dass geliebte Zierpflanzen weichen müssen. Schon ein Teil des Beetes kann anders bepflanzt werden.

Es lohnt sich außerdem, nicht nur an die Honigbiene zu denken. Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge haben teilweise unterschiedliche Ansprüche. Was für die eine Art attraktiv ist, muss für die nächste noch lange nicht die erste Wahl sein.

Vom Frühjahr bis zum Herbst sollte etwas blühen

Ein Blumenbeet, das im Juni für drei Wochen spektakulär aussieht und anschließend weitgehend verblüht ist, hat seinen großen Auftritt schnell hinter sich. Interessanter ist eine Pflanzung, bei der sich die Blütezeiten ergänzen.

Frühblüher übernehmen dabei eine wichtige Rolle. Wenn die Temperaturen langsam steigen, sind Nahrungsquellen für erste aktive Insekten noch begrenzt. Krokusse und andere frühe Blüher bringen deshalb nicht nur die ersten Farbtupfer nach dem Winter.

Im weiteren Jahresverlauf können Stauden und Sommerblumen übernehmen, bevor spät blühende Arten die Saison bis in den Herbst verlängern. Wer bei der Planung auf die Blütezeiten achtet, hat dadurch selbst länger etwas vom Garten.

Gleichzeitig steht über viele Monate Nahrung zur Verfügung. Statt eines kurzen Überflusses im Hochsommer finden Gartenbesucher auch am Anfang und Ende der Saison etwas. Für den Menschen hat dieses Prinzip ebenfalls einen angenehmen Nebeneffekt: Das Erscheinungsbild des Gartens verändert sich kontinuierlich.

Ein bisschen Unordnung gehört dazu

Ein Garten muss nicht überall perfekt aufgeräumt sein. Was für Menschen nach liegen gebliebenen Pflanzenresten aussieht, kann für Tiere ein wertvoller Lebensraum sein.

Verblühte Stauden beispielsweise müssen nicht zwangsläufig sofort abgeschnitten werden. Ihre Samen können Nahrung bieten, während trockene Stängel kleinen Tieren Rückzugsmöglichkeiten eröffnen. Auch etwas Laub unter Sträuchern oder eine weniger intensiv gepflegte Ecke kann nützlich sein.

Natürlich muss deshalb niemand den gesamten Garten verwildern lassen. Schon kleine Bereiche reichen aus. Hinter einem Beet darf es etwas natürlicher zugehen, während Terrasse und Rasen weiterhin ordentlich aussehen.

Wer über die Saison hinweg für Blüten sorgt, Lebensräume erhält und auch ein wenig Wildwuchs zulässt, fördert die Bio Diversität im eigenen Garten bereits mit vergleichsweise einfachen Mitteln.

Vielleicht ist gerade dieser Mittelweg für viele Gärten besonders interessant. Natur bekommt Raum, ohne dass der Garten seinen gestalteten Charakter verliert.

Schon kleine Veränderungen machen einen Unterschied

Beim Thema Biodiversität entsteht schnell der Eindruck, ein Garten müsse vollständig umgebaut werden. Die kurz geschnittene Rasenfläche wird gedanklich bereits zur Wildblumenwiese, jeder exotische Strauch muss verschwinden und irgendwo soll plötzlich noch ein Teich entstehen.

So radikal muss der Einstieg nicht sein. Ein zusätzlicher Topf mit einer insektenfreundlichen Blume auf der Terrasse ist besser als gar keiner. Selbst auf einem Balkon lassen sich Nahrungsangebote schaffen, während im Garten beispielsweise eine kleine Ecke weniger intensiv gepflegt werden kann.

Auch beim Aufräumen lässt sich manches entspannter sehen. Nicht jeder trockene Stängel muss unmittelbar nach der Blüte verschwinden und nicht jedes Blatt sofort eingesammelt werden. Was nach menschlichen Maßstäben ein wenig unordentlich wirkt, kann für kleine Gartenbewohner durchaus interessant sein.

Entscheidend ist weniger die einzelne perfekte Maßnahme als die Bereitschaft, der Natur an einigen Stellen etwas mehr Platz zu geben. Dafür braucht es weder einen riesigen Garten noch einen radikalen Umbau.

Und davon profitieren am Ende nicht nur Bienen, Schmetterlinge und andere Tiere. Ein Garten, in dem es summt und immer wieder etwas zu beobachten gibt, ist schließlich auch für seine Besitzer spannender. Schönheit und Natur müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. Manchmal wachsen beide sogar im selben Blumenbeet.

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